
Sugimoto - Meister der stillen Momente - Dies Buch dient als Katalog zur ersten deutschen Werkschau des amerikanisch japanischen Fotografen Hiroshi Sugimoto (geboren 1948) im K20 - Kunstsammlung Nordrhein - Westfalen. Der Unternehmersohn Hiroshi sollte eigentlich das Familienunternehmen seiner Eltern übernehmen, aber er interessierte sich mehr für die Schriften von Marx und Hegel als für das begonnene Wirtschaftsstudium. Er studierte den Kommunismus in der frühren Sowjetunion, um festzustellen, dass es sich vielleicht als radikaler Hippie in Kalifornien besser leben lässt. Um ein U.S. Visum zu erhalten schrieb er sich als Student am Art College of Design bei Los Angeles ein, um dort Fotografie zu studieren.Seit 1974 betreibt er in New York sein eigenes Studio, Der berufliche Erfolg kam aber erst spät. Bevorzugt verwendet er für seine Arbeit altmodische Filmplatten, von denen er anschließend riesige Abzüge fertigt. Seine Kamera ist eine Spezialanfertigung mit einem Holzgehäuse aus Chicago, die schon lange nicht mehr hergestellt wird, und auch das von ihm verwendete Fotopapier wird im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung vermutlich bald nicht mehr erhältlich sein. Seine Schwarz - Weiß Fotos beschäftigen sich mit geschichtlichen, wissenschaftlichen oder kulturellen Themen, vereint in fernöstlicher Vorstellung und westlicher Kultur. Minimalismus und Konzeptkunst waren wesentliche Einflussgrößen auf sein fotografisches Werk. Er gilt als Fotograf der stillen Momente. Mit japanischer Geduld wartete er auf den richtigen Augenblick. Zum Teil wartete er tagelang am selben Ort, um das richtige Licht oder einen interessanten wolkenverhangenen Himmel mit seiner Kamera einzufangen. Vor allem gehen von Sugimotos Ozeanstudien meditative Wirkungen aus. Dabei scheinen einerseits Himmel und Ozean fließend ineinander überzugehen oder andererseits Himmel und Ozean in zwei identisch große Hälften geteilt zu werden (Vgl. Titelbild). Anfänglich fotografierte er in den 70er Jahren in Schaukästen verschiedener Naturkundemuseen prähistorische Szenen. Danach interessierte er sich für Theatersäle und Kinos der 20er und 30er Jahre, aber auch für Autokinos. Im Kino wählte er die Belichtungszeit analog zur Filmdauer, wodurch die Leinwand wie eine blendend weiße Fläche wirkt, die den Betrachter den Weg in die Unendlichkeit weist. Spannend ist vor allem auch seine Conceptional Forms - Serie oder seine Architekturserie, mit welcher er im Jahr 1997 begann. Dabei verschwimmen die Bilder durch eine bewusst gewählte Unschärfe fast gänzlich, so dass der Betrachter das Motiv nur infolge der Erkenntnis des Wesentlichen bei einem gewissen Abstand vom Bild richtig zuzuordnen weiß. Zu den Motiven zählen beispielsweise ein Ausschnitt des Guggenheim Museums, die Villa Savoie, die Spitze des Chrysler Buildings, das Bauhaus oder die Fagus Werke. Auch das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds diente ihm als Kulisse für grandiose Fotografie von historischen Figuren, wie Lenin, Winston Churchill, Fidel Castro, Napoleon Bonaparte oder Heinrich VIII. Die Wachsfiguren wirken dabei lebendiger als in natura. So könnte man vermuten, dass es sich dabei um Doppelgänger in Kostümen handeln würde. In diesem Katalog zur Ausstellung im K20 wird erstmalig eine sehr umfassende und großformatige Werkschau aller Schaffensperioden Sugimotos zusammengestellt. Die Widergabequalität ist als sehr gelungen zu bezeichnen. Mehr passt in kein Buch der Welt. - Christoph Erlemeier -